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Berlin als Lernort


Für 13 Fachschüler und -schülerinnen im zweiten Ausbildungsjahr der DPFA Leipzig wurde die deutsche Hauptstadt zum Lernort außerhalb des Klassenzimmers. Eine Studienfahrt verband Geschichte, Politik und berufliche Identität mit konkreten Fragen aus der Erzieherausbildung.

Vom Lernfeld zur Studienfahrt

Die Idee zur Fahrt entstand aus dem Lernfeld 1 der Erzieherausbildung: „Berufliche Identität und professionelle Perspektiven entwickeln“. Hier setzen sich angehende Erzieher und Erzieherinnen mit ihrer Rolle, demokratischen Werten, rechtlichen Grundlagen und gesellschaftlicher Verantwortung auseinander. Die Fachschüler und -schülerinnen des Bildungszentrums für Sozialwesen Leipzig wollten diese Themen nicht nur theoretisch behandeln. Um Orte zu erleben, an denen Politik, Geschichte und pädagogische Fragen direkt spürbar werden, bot eine Studienfahrt nach Berlin den passenden Rahmen.

Die Gruppe recherchierte selbst, wie sich eine Studienfahrt finanzieren lässt und fragte bei Bundestagsabgeordneten aus Leipzig an. Schulklassen und Besuchergruppen können über Abgeordnete zu politischen Bildungsbesuchen eingeladen werden. Eine Abgeordnete griff die Initiative auf und unterstützte die Fahrt durch eine Einladung und finanzielle Förderung.

Geschichte und Demokratie erleben

Der erste Programmpunkt führte ins Jüdische Museum. Dort beschäftigten sich die Erzieherschüler und -schülerinnen mit jüdischer Geschichte, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Verantwortung. Diese Themen gehören fest zur pädagogischen Arbeit. Wer Kinder in Kita, Hort oder sozialen Einrichtungen begleitet, braucht einen wachen Blick für Vielfalt, Ausgrenzung und Zugehörigkeit. Frühkindliche Bildung prägt, wie junge Menschen Gemeinschaft erleben. Sie stärkt Empathie, Respekt und demokratisches Handeln.

Mehrere Personen sitzen in einem Reisebus. Einige lächeln in die Kamera, zwei Personen machen ein Peace-Zeichen.

Derzeit absolvieren rund 200 Schüler:innen ihre Ausbildung als Erzieher:in am DPFA-Bildungszentrum für Sozialwesen in Leipzig. Im Schulhaus am Täubchenweg 83 lernen außerdem angehende Sozialassistent:innen. Foto: DPFA Leipzig

Fragen im Bundestag

Anschließend ging es in den Deutschen Bundestag, in dessen Plenarsaal politische Debatten geführt und Entscheidungen vorbereitet werden. Im Gespräch mit Dr. Paula Piechotta stellten die Fachschüler und -schülerinnen klare Fragen. Besonders wichtig waren ihnen der Personalschlüssel, der Fachkräftemangel und die Arbeitsbedingungen im Erzieherbereich. Dabei war der Gruppe bewusst: Bildung liegt in Deutschland vor allem in der Hand der einzelnen Bundesländer. Trotzdem machten die angehenden Erzieher und -erzieherinnen der DPFA-Fachschule deutlich, dass gute frühkindliche Bildung auch bundespolitische Aufmerksamkeit braucht. Denn Fachkräftesicherung, soziale Teilhabe und verlässliche Rahmenbedingungen betreffen die gesamte Gesellschaft.

Eine Gruppe steht in einem modernen Gebäude mit Glasfront. Im Hintergrund sind eine große Kuppel und ein Bundesadler zu sehen.
Eine Gruppe steht in einem modernen Gebäude mit Glasfront. Im Hintergrund sind eine große Kuppel und ein Bundesadler zu sehen. Nächtlicher Blick über eine Stadt. Zu sehen sind beleuchtete Gebäude, ein Fluss und ein hoher Fernsehturm.

Klassenleiterprinzip nicht nur im Schulalltag, sondern auch unterwegs: Bei der Exkursion nach Berlin begleitete Klassenleiterin Anne Kämpfner ihre Klasse und zeigte damit, wie nah Theorie, Praxis und persönliche Betreuung an den DPFA-Fachschulen für Sozialwesen beieinanderliegen. Fotos: DPFA Leipzig

Haltung zeigen mit Fachwissen

Am zweiten Tag stand ein Informationsgespräch im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf dem Programm. Das Gespräch forderte die Gruppe auf besondere Weise. Die Erzieherschüler und -schülerinnen hörten aufmerksam zu, ordneten Aussagen kritisch ein und blieben auch bei Gegenwind klar in ihrer Haltung. Sie vertraten ihre Positionen im Bildungs- und Elementarbereich sachlich, selbstbewusst und mit spürbarem Fachwissen. Zum Abschluss besuchte die Gruppe die parlamentshistorische Ausstellung. Dort wurde deutlich: Demokratie ist nicht selbstverständlich. Sie braucht Menschen, die sie verstehen, schützen und aktiv mitgestalten.

Am Ende waren sich alle einig: Diese Fahrt hat sich gelohnt. Berlin hat viele Fragen angestoßen und manches neu eingeordnet. Gleichzeitig ist die Klasse zwischen Gesprächen, Eindrücken und kleinen Momenten noch ein Stück mehr zusammengewachsen :-)